"Wir bestimmen lieber wieder über uns selber", so denken die meisten Kommunen, deren Konzessionen auslaufen, mit denen sie den Betrieb von Gas- und Stromnetzen an die Konzerne verpachtet haben. Sie möchten die Energie-Netze in Zukunft wieder in eigener Regie betreiben.

„Wer die Netze hat, hat die Macht „, so die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Prof. Claudia Kemfert, in ihrem Buch "Kampf um Strom".                                                                                                                                                                                            Die Technische Universität stellt hierzu im Auftrag des Bundesumweltministeriums in ihrer Studie1) „Netze als Rückgrat der Energiewende“ Folgendes fest (Seite 17): "Auch für den Ausbau der Verteilnetze stellen der hohe Finanzierungsaufwand bzw. Wirtschaftlichkeitsaspekte maßgebliche Restriktionen dar. Diese werden verstärkt durch die oft geringe Motivation der Verteilnetzbetreiber, aktiv Möglichkeiten zur Aufnahme von möglichst viel erneuerbar erzeugtem Strom voranzutreiben. In der Regel streben Netzbetreiber die Maximierung ihrer Gewinne an und scheuen Investitionen in die Netze, die sich negativ auf die Erlöse auswirken".

Die Frage ist daher berechtigt, ob Kommunen die Verteilnetze (wieder) selber übernehmen sollten/können. Bei den Energienetzen geht es um drei Bereiche: Strom, Gas und Fernwärme. Eine solche Gelegenheit bietet sich bezüglich der Netze nur alle 20 Jahre, da die Konzessionen für den Betrieb der Netze eine entsprechende Laufzeit haben. Während bei Netzen kein Wettbewerb existiert, haben wir es bei dem durch die Netze geleiteten Gas und Strom mit einem Wettbewerbsmarkt zu tun. Auch in der Energieerzeugung werden die Kommunen wichtiger. Es könnten sich neue Synergien ergeben. Strom,  Gas, Verkehr und Wasser sowie weitere Angebote/Leistungen kann aus einer Hand angeboten werden. Synergieeffekte sind auch dezentral zu erreichen. tun. Bei der Fernwärme sind erste Schritte zur Öffnung für den Wettbewerb zu verzeichnen. Die Energieversorgung mit der eigenen Leistungserbringung steht im Fokus der Kommunen. Oft leisten Stadtwerke einen wichtigen Beitrag zu den kommunalen Finanzen. Zudem sind viele Kommunen bemüht, über ihre Stadtwerke Dinge zu realisieren, die sonst nicht so einfach funktionieren würden wie Klimaschutz, Energieeffizienzmaßnahmen und weitere. Wasserversorgung und Abwasserentsorgung ebenso wie städtischer Nahverkehr und Abfallentsorgung hingegen sind Bereiche, die entweder seit jeher in höherem Maße durch kommunale Leistungserbringung gekennzeichnet sind oder in denen die Kooperation mit privaten Dritten eine geübte Praxis ist. Vor allem bei der Abfall-Verwertung, den Krankenhäusern und der Energieversorgung entschieden sich viele Kommunen in der Vergangenheit für die Privatisierung. Hier liegt die Privatisierungsquote bundesweit gesehen bei über 90 Prozent. Demgegenüber liegt die Privatisierungsquote bei den Bauhöfen, den Kitas, den Grünflächenämtern, den Sportstätten oder den kulturellen Einrichtungen mit unter 20 Prozent relativ niedrig. Mit der Privatisierung verloren die Städte auch politischen Einfluss, der Betrieb entzog sich der öffentlichen Kontrolle. Rekommunalisierung ist ein Weg, Arbeitsplätze bei den Städten und Gemeinden zu erhalten und neue zu schaffen. Konzessionsverträge sind privatrechtliche Verträge über die Nutzung öffentlicher Verkehrswege für die Verlegung und den Betrieb von Leitungen, die zu einem Energienetz der allgemeinen Versorgung angehören. Im EnWG ist geregelt, daß Verträge über den Betrieb von Leitungen für Strom/Gas höchstens für eine Laufzeit von 20 Jahren abgeschlossen werden dürfen. Seit der Liberalisierung des Energiemarktes ist mit einem Konzessionsvertrag nicht mehr das ausschließliche Recht der Belieferung von Endkunden in einem Gemeindegebiet verbunden. Konzessionsabgaben sind die Gegenleistung des Versorgungsunternehmen für die Einräumung des Wegerechts. Für Strom/Gas gilt die Konzessionsabgabenverordnung. Die Auseinandersetzung mit dem Thema ist zugleich Spiegelbild der grundsätzlichen Frage, inwieweit es in einer marktwirtschaftlich verfassten Wirtschaftsordnung einen Bedarf an öffentlicher Leistungserbringung im Sinne der Daseinsvorsorge gibt. In vielen Gemeinden und Landkreisen hat sich die Kommunalwirtschaft durch eine Neuausrichtung der unternehmerischen Strategien neu aufgestellt. In Regionen mit einer schwachen Wirtschaftsstruktur werden öffentliche Unternehmen wieder als ein Instrument angesehen, mit dem sich der regionale Arbeitsmarkt und die lokale Wirtschaft stärken lassen. Andernorts wird der Wille, politischen Einfluss auf die Qualität und Sicherung der Leistungserstellung zurückzugewinnen, ausdrücklich betont. Erfolgsfaktoren der Rekommunalisierung sind ihre professionelle Vorbereitung und Umsetzung in Verbindung mit langfristiger Wirtschaftlichkeit.